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usa.

Ohne jetzt auf die Schiene zu kommen, dass diese Äusserungen bzw Missgeschicke wirklich Wahlkampf-reflektierend sind oder über die tatsächliche Intelligenz und Geschicke der republikanischen Politiker in den USA etwas aussagt,  so muss ich doch sagen, dass dies einen irgendwie beeinflusst. Natürlich, eine geschulte Medienrampensau macht noch keinen guten Politiker, da erwarte ich von meinen (bzw dessen) gewählten Leuten einfach mehr, als nur in Interviews zu glänzen,  erschreckend sind die Videos aber doch. Und ich will jetzt gar nicht auf diese Sachen hier eingehen. ( „Wiedereinführung des Waterboarding“ / „Ermordung terrorverdächtiger Amerikaner in Übersee“ / „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“ / „Alle außenpolitischen Probleme werde er lösen, indem er erst mal jedem Land auf der Welt die US-Entwicklungshilfe streiche“ / ohne Worte)

(Rick Perry’s Rede auf CNBC vom 9.11.11)

(Rick Perry’s Rede in New Hampshire, 30.10.11)

(Herman Cain, Interview mit dem Journal Sentinel editorial board, 13.11.11)

(Michelle Bachmann, Rede in Waterloo (Iowa), Geburtsort von John Wayne, dessen Spirit sie in der Stadt spürt und im Wahlkampf nutzen will. John Wayne aus Waterloo ist ein 30facher Mörder, John Wayne -Westernheld- wurde 160 km südlich von Waterloo geboren)

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just my two cents.

Es ist zum Heulen: Jahrelang mussten sich die Kinder der 68er von ihren Eltern anhören, sie seien zu angepasst, zu ichbezogen, hätten weder Ideale noch Visionen und bekämen nicht mal eine ordentliche Jugendbewegung hin. Jetzt gibt es auf einmal eine Bewegung der 68er-Kinder: die Piraten – eine Partei, deren Mitglieder und Wähler im Durchschnitt 30 Jahre alt sind. Und schon wieder passt es den Alten nicht. Sie meckern über fehlende Inhalte und eine chaotische Struktur.

Doch was ihnen eigentlich nicht passt, ist, dass sich die Piratenpartei nicht mit den Kategorien fassen lässt, die sie selbst einmal in grauer Vorzeit für ihre eigene Revolte definiert haben: Wie, die haben keine Meinung zu Krieg oder Frieden in Afghanistan? Wie, die haben keine Frauenquote? Wie, die wissen nicht mal, ob sie rechts oder links sind? Den Piraten werden ständig Schablonen übergestülpt, die die Alten für wichtig halten.

Schon mit dem Auftreten der Piraten kommen die Eltern nicht klar. Die sind ja so brav! Wollen keine Weltrevolution, sondern nur ein bisschen Internet für alle! Wenn man sie angreift, lächeln sie höflich und bedanken sich für die konstruktive Kritik! Und ausgerechnet die wollen das System verändern? Man könnte fast glauben, dass die Eltern es besser fänden, wenn junge Leute Steine in Schaufenster werfen und Autos anzünden würden.

Die Alten suchen unterbewusst bei den Piraten nach einem zweiten Joschka Fischer – und sind enttäuscht, dass da stattdessen freundliche, blasse, etwas naive Computerfreaks sind, die niemals außerhalb der virtuellen Welt Steine werfen würden. „Wo ist da das Charisma?“, fragen die Alten – und kapieren nicht, dass die Jungen genug haben von Berufsrevolutionären, denen es nur um ihr eigenes Ego geht. Die entdecken ja doch nur irgendwann, wie gut sie in Boss-Anzügen aussehen und wie viel bequemer es ist, mit der Wirtschaft zu kuscheln, als irgendwas zu verändern.

Die Alten verlangen von den Piraten außerdem ein ordentliches Parteiprogramm. Aber wo ist denn die klare Linie bei den etablierten Parteien? Die SPD führt Hartz IV ein, die Grünen stimmen Kampfeinsätzen zu, die CDU schafft die Wehrpflicht ab und die FDP – ach, geschenkt, die wählt eh keiner mehr.

Dass die Piratenanhänger sich nicht für Inhalte interessieren und die Partei nur aus Protest wählen, ist Quatsch. Klar, in den vergangenen Wochen hieß es oft: lieber eine Partei, die zu ihrer Inkompetenz steht, als eine Partei, die nur so tut, als wüsste sie Bescheid. Die meisten Sympathisanten erwarten aber sehr wohl von den Piraten, dass sie bis zur Bundestagswahl eine Meinung zu Kriegseinsätzen und Sozialpolitik haben – und einen Plan, wie man ihre Vorstellungen umsetzen kann. (weiter)

Text von Hannah Beitzer, Wochenendausgabe SZ.  Und ich muss sagen, selten bringen Texte es dermaßen auf den Punkt. Unabhängig davon, wie man nun zB zur Piratenpartei stehen mag (ich persönlich finde ja, dass ihnen ein Tick mehr Botschaft durchaus gut tun würde), finde ich es wichtig dass es sie gibt, denn, ich habe das Gefühl, dass sich langsam wirklich etwas ändert in unserem Land. Natürlich, es kommt eine andere Generation auf den Chef-, Amts- und Kanzlersessel, aber im Vergleich zu den Bloß-in-Deckung-gehen-80ern und den Lass-mich-doch-zufrieden-mit-deinem-Scheiss-90ern, scheinen nun wirklich andere Devisen zu gelten. Man nimmt die alten Regeln nicht mehr als selbstverständlich hin, warum auch, nur weil sie schon immer galten? Nein, andere Zeit, andere Regeln, so einfach ist das.

(Ich weiss, das ganze hatten wir vor 40 Jahren schonmal. Aber man lernt ja dazu.)

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Kuchen für Alle!

 

Wer eine Übersicht über die ungerechte Verteilung des Gesamtvermögens in Deutschland (1% besitzt 25% gesamt?!), die unglaubliche (staatliche) Förderung von Atomstrom oder den geheimen Nebeneinkünften unserer der Politiker haben will, ist bei „Kuchen für Alle“ richtig.  Inklusive Occupy-Terminplaner.

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0zapftis!

Source: stern.de

Man ist ja immer wieder versucht, unserer Staatsmacht eine gewisse Portion Vertrauen entgegenzubringen, manchmal aus Vernunft, manchmal (öfters) aus Mangel an Alternativen. Was die Regierung aber bei der Causa „Staatstrojaner“  veranstaltet(e), ist an Traurigkeit kaum zu überbieten.

Kurz zur Vorgeschichte, der CCC hat in den letzten Tagen einen Trojaner zugespielt bekommen, diesen zerlegt, analysiert und die Ergebnisse veröffentlicht. Die Details sind gruslig, aber dazu später mehr. Natürlich kam das Dementi der Regierung umgehend, in diesem Falle durch den amtierenden Innenminister Herrmann.

Der Trojaner in diesem Fall wurde in einem Ermittlungsverfahren 2009 gegen einen bayerischen Unternehmer eingesetzt, in einer mir völlig neuen Vorgehensweise: Bei der Zollkontrolle am Münchner Flughafen wurde der Laptop des Unternehmers äusserlich untersucht, in einem unbemerkten Augenblick dann ein USB Stick dran gesteckt, der Trojaner installierte sich dann selbstständig. Dreist. Erstaunlich.  Raffiniert.

Das Problem aber hierbei ist: Der Trojaner ist in der eingesetzten Version in der Lage, nicht nur die gewünschten Screenshots alle 30 Sekunden nach dem Netzzugang zu übermitteln (legal), sondern ermöglichte auch, andere Programme via Console zu installieren (illegal). Dadurch hätten Dritte kompletten Zugang auf den Rechner, von den Ermittlern ganz zu schweigen. Nun müsste man ja denken, dass der Staatsschutz ja nur geprüfte und abgenommene (wer nimmt solche Programme eigentlich ab?) Programme einsetzen darf. Allein, um dieses kleine und hinderliche Detail des privaten Datenschutzes zu wahren. Die Wahrheit: Link (Interview der ARD mit Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger über ihre  Nichtkenntnis (Justizministerin!) um das Thema Staatstrojaner)

Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht, ob sich auch die Piratenpartei dazu äussert (wann, wenn nicht hier? Und bitte auch mal ordentlich zu Potte kommen Piraten!) und auch, wie sich die Regierung hier noch rausmanövrieren wird. Dazu noch ein Statement, BEVOR Herr Herrmann ans Mikro musste:

„Was auch immer der Chaos Computer Club untersucht hat oder zugespielt bekommen haben mag, es handelt sich dabei nicht um einen sogenannten Bundestrojaner“, teilte ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag in Berlin mit.

Aha.

Update: Hier noch der Artikel aus der FAZ zum Thema „Trojaner mit eingebauten Verfassungsbruch“: FAZ Ausserdem der Bericht des CCC über den Trojaner, als PDF.

Nochmal Update: Die Piratenpartei Bayern meldet sich zu Wort: Piraten-Bayern Ebenso Christopher Lauer, MdA für die Piraten: Christopher Lauer

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