Mir ist ja gestern aufgefallen, dass ich schon lange keinen Murakami mehr gelesen habe. Das mag einerseits daran liegen, dass ich bis auf 1Q84 bereits alle seine Werke verschlungen habe, andererseits muss man für einen Murakami einfach eine gewisse Portion Zeit, gepaart mit einer bestimmten Stimmung mitbringen. In Bezug auf die Zeit verhält es sich dann so, dass man seine Werke nach 20 Seiten vielleicht bei einem Erdbeben weglegt, aber sicher nicht, wenn der Zug anhält oder es Zeit zu schlafen ist. Kurzum, der Mann ist großartig. (allein schon die Tatsache, wie er zum Schreiben kam! Murakami schaute sich 1978 ein Baseballspiel in Tokio an, als ein US Spieler namens Dave Hilton ein Double-Double schlug. Während der Ball in der Luft war, schoss im plötzlich eine Eingebung durch den Kopf: “On that sunny day drinking beer, I just knew I could write.” Er ging sofort in einen Schreibwarenladen, kaufte Papier und Stifte und schrieb seinen ersten Roman.)

Die Kacheln fühlten sich kühl an und auch etwas klebrig, der blaue, nasse
Dunst, der über der Stadt lag, hatte sich darauf niedergeschlagen, die Luft
roch nach Chlor wie jeden Morgen um sieben und wie zu jeder anderen
Stunde am Tag, aber um sieben war der Geruch am ausgeprägtesten.
Der Nebel verschwand gegen Mittag, stieg nach oben über die Gebäude hinweg
in einen blassen Himmel, an dem eine herbstlich dünne Sonne stand, die
Strahlen fielen auf die Kacheln und einen Streifen des Teppichbodens hinter
der Scheibe. Ich legte mich in den Sonnenstreifen und blieb so lange liegen, bis
er nicht mehr da war, dann zog ich die Schiebetür auf und stellte mich an die
Brüstung, die bis zum Kinn reichte.
Mein Blick fiel darüber hinweg nach unten, die Straßen waren ein Saum und
die Menschen fremdartige Wesen, winzig, ameisenähnlich, nicht appetitlich.
Die Sunshine Sixty nahm ich kaum noch war, dafür das breite kastenförmige
Gebäude schräg dahinter, das wesentlich niedriger erschien und kaum Fenster besaß.

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